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Die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR)

Erweiterte Herstellerverantwortung
© narawit / stock.adobe.com

Viele Unternehmen haben mittlerweile den Schritt unternommen, ihre Produktion nach umweltfreundlichen und nachhaltigen Standards auszurichten. Allerdings wurde bisher primär der Herstellungsprozess eines Produkts unter diesen Gesichtspunkten betrachtet, während die Auswirkungen, die es während seines gesamten Lebenszyklus hat, oft vernachlässigt wurden. Dank des Konzepts der Erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) findet jedoch eine grundlegende Veränderung statt.

Erklärung und Vorteile von EPR

EPR, kurz für „Erweiterte Herstellerverantwortung“, ist eine Strategie, die darauf ausgerichtet ist, sämtliche geschätzten Umweltkosten, die über den Lebenszyklus eines Produktes entstehen, auf dessen Preis zu übertragen. Dies betrifft vor allem die Phasen der Rücknahme, des Recyclings und der endgültigen Entsorgung. Obwohl der Ansatz aktuell vor allem in der Abfallwirtschaft zur Anwendung kommt, trägt er zur gesellschaftlichen Verantwortung bei, indem er externe Effekte von Marktmechanismen, wie zum Beispiel die Umweltauswirkungen von Autos, berücksichtigt.

Die dahinterstehende Gesetzgebung fördert die Einführung von Initiativen zur Wiederaufbereitung von Produkten und legt einen stärkeren Fokus auf die End-of-Life-Behandlung von Konsumgütern. Dadurch werden sowohl die Menge als auch die Qualität der Produktrückgewinnung verbessert und die Umweltauswirkungen von Abfällen minimiert. Dieser Ansatz stellt eine Verlagerung der Verantwortung von Umweltpolitik hin zu einer effektiveren Möglichkeit dar, höhere Umweltstandards in der Produktentwicklung zu erreichen, indem die Hersteller direkt verantwortlich gemacht werden.

Ursprung des Konzepts

Die EPR-Strategie wurde erstmals von Thomas Lindhqvist in Schweden im Jahr 1990 in einem Bericht an das schwedische Umweltministerium vorgestellt. Sie zielt darauf ab, die Gesamtumweltbelastung eines Produkts durch die Verantwortung des Herstellers für den gesamten Produktlebenszyklus zu verringern.

Funktionsweise von EPR

Die erweiterte Herstellerverantwortung setzt finanzielle Anreize für Hersteller, um die Entwicklung umweltfreundlicherer Produkte zu fördern. Hierbei werden Hersteller für die Entsorgungskosten ihrer Produkte am Lebensende verantwortlich gemacht. Im Gegensatz zur reinen Produktverantwortung, bei der die Verantwortung entlang der gesamten Produktkette verteilt wird, zielt EPR darauf ab, die Gemeinden von Entsorgungskosten bestimmter prioritärer Produkte zu entlasten, indem Hersteller die Kosten für das Recycling in ihre Preiskalkulation einbeziehen müssen. Dies basiert auf der Prämisse, dass die Hersteller, meist die Markeninhaber, die größte Kontrolle über Design und Marketing der Produkte haben und somit in der Lage und verantwortlich sind, Toxizität und Abfall zu reduzieren.

Die EPR kann verschiedene Formen annehmen, wie Wiederverwendungs-, Rückkauf- oder Recyclingprogramme. Hersteller können diese Verantwortung auch an eine dritte Partei, eine sogenannte Organisation für Herstellerverantwortung (PRO), übertragen, die sich um das Management der Altprodukte kümmert. Dies bedeutet eine Verschiebung der Verantwortung für die Abfallbewirtschaftung vom öffentlichen Sektor zur Privatwirtschaft, wobei die Hersteller, Importeure und/oder Verkäufer dazu verpflichtet werden, die Entsorgungskosten in ihre Produktpreise einzubeziehen und die sichere Behandlung ihrer Produkte zu gewährleisten.

Ein Beispiel

Ein Beispiel für eine solche PRO ist die PRO Europe S.P.R.L. (Packaging Recovery Organisation Europe), gegründet 1995, die als Dachorganisation für europäische Systeme zur Verwertung und zum Recycling von Verpackungen und Verpackungsabfällen dient. Diese Organisationen zielen darauf ab, Industrie- und Handelsunternehmen von ihrer individuellen Rücknahmepflicht zu befreien, indem sie diese Verpflichtungen im Namen ihrer Mitglieder landesweit übernehmen. Das Ziel ist eine möglichst wirtschaftlich effiziente und ökologisch sinnvolle Verwertung von Verpackungsabfällen, oft erkennbar am „Grünen Punkt“, einem bekannten Markenzeichen, dessen Generallizenznehmer PRO Europe ist.

Vorteile und Nachteile

Vorteile

EPR zeigt zunehmende Effektivität, insbesondere da sie Druck auf Länder ausübt, die Elektroschrott exportieren. Durch die Regulierung dieses Schrotts werden Infrastrukturen gezwungen, sich mit Abfallproblematik auseinanderzusetzen oder neue Produktionsmethoden zu finden. Mit der zunehmenden Übernahme dieser Politik durch verschiedene Länder werden andere Nationen daran gehindert, die Probleme zu ignorieren. Ein markantes Beispiel war, als China die Einfuhr von Elektroschrott aus den USA stoppte, was zu einem Rückstau von Abfällen in den Häfen führte und die fehlende Recyclinginfrastruktur in den USA offenbarte. Dieser Druck führt zur Notwendigkeit, eigene Recyclinginfrastrukturen aufzubauen und zwingt Hersteller, sich strengeren staatlichen und föderalen Vorschriften zu unterwerfen.

Nachteile

Es gibt jedoch auch Bedenken bezüglich der EPR-Programme, insbesondere für komplexe elektronische Geräte, die schwer zu recyceln sind, wie Lithium-Ionen-Polymer-Batterien. Kritiker befürchten, dass solche Gesetze die Preise für Elektronik erhöhen könnten, da die Hersteller die Recyclingkosten aufschlagen. Zudem besteht die Sorge, dass Hersteller Rücknahmeprogramme nutzen könnten, um gebrauchte Elektronikgeräte vom Markt für wiederverwendbare Produkte zu entfernen, indem sie diese eher zerstören als wiederverwenden oder reparieren. Weiterhin gibt es Kritik an der Unklarheit der Gebührenfestlegung für verschiedene Recyclingverfahren im Rahmen der EPR. Diese Gebühren, eingeführt, um Anreize für das Recycling zu schaffen, könnten paradoxerweise die Verwendung hochwertiger Materialien in der Produktion entmutigen, da diese höhere Recyclinggebühren bedeuten könnten. Ebenso können unklare Rechtsrahmen oder die Ineffizienz einiger Recyclingprogramme zu Problemen führen.

Fazit

Insgesamt hat EPR das Potenzial, die Umweltauswirkungen von Produkten zu verringern, indem sie die Verantwortung für deren Lebenszyklus auf die Hersteller verlagert. Dies fördert die Entwicklung von nachhaltigeren Produkten und Verpackungen, reduziert Abfall und unterstützt Recyclinginitiativen. Es gibt jedoch auch Herausforderungen und Bedenken, die berücksichtigt werden müssen, um sicherzustellen, dass die Programme effektiv, gerecht und zum Vorteil aller Beteiligten sind.

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