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Benzinpreise: Konzerne profitieren von der umstrittenen Zwölf-Uhr-Regel

Transparenzhinweis: Text KI-gestützt, Bild KI-erstellt

Seit dem 1. April 2026 gilt bundesweit eine Vorgabe, die den Zeitpunkt von Preiserhöhungen an Tankstellen begrenzt. Preissenkungen bleiben über den gesamten Tag möglich, Preiserhöhungen sind dagegen nur noch einmal täglich zulässig – festgelegt auf 12 Uhr. Die politische Begründung zielt auf mehr Vorhersehbarkeit im Tagesverlauf und auf eine Eindämmung der früher sehr häufigen Preiswechsel, die für viele als schwer nachvollziehbar galten.

Wichtig ist dabei, dass die Regel nicht als Preisdeckel funktioniert. Sie legt nicht fest, wie hoch ein Preis sein darf, sondern wann er nach oben angepasst werden kann. Damit verschiebt sich der Wettbewerb: Tankstellen können zwar weiterhin im Tagesverlauf um Kundschaft konkurrieren, indem sie Preise senken, doch der „Reset“ nach oben ist zeitlich gebündelt. Die Kontrolle soll über die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe erfolgen, die ohnehin nahezu in Echtzeit Preisänderungen erfasst. Bei Verstößen sind Bußgelder möglich; die Weitergabe von Auffälligkeiten an zuständige Stellen ist Bestandteil der vorgesehenen Aufsicht.

Aktuelle Entwicklung: Studie sieht höhere Margen bei Superbenzin

Innerhalb der letzten 24 Stunden hat insbesondere eine neue, breit aufgegriffene Auswertung aus der Wirtschaftsforschung die Debatte neu belebt. Demnach seien in den ersten zwei Wochen nach Einführung der Zwölf-Uhr-Regel die Gewinnmargen bei Superbenzin im Durchschnitt höher gewesen als in den zwei Wochen davor. Für Diesel berichten die Forschenden hingegen von starken Schwankungen, sodass sich dort bislang kein belastbarer, eindeutig quantifizierbarer Effekt ableiten lasse.

Die Auswertung stützt sich auf Preisdaten der Markttransparenzstelle und verknüpft diese mit Großhandelspreisen, um eine Näherung für Margen zu berechnen. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Effekte regional und nach Anbieterstruktur unterschiedlich ausfallen können. Damit steht nicht nur die Frage im Raum, ob das Preisniveau kurzfristig sinkt oder steigt, sondern auch, wie sich Marktmechanik und Wettbewerb zwischen großen Ketten, kleineren Marken und unabhängigen Stationen verändern.

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Was Behörden und Politik mit der Regel bezwecken

Die Bundesregierung stellt die Maßnahme in einen größeren Zusammenhang eines Pakets gegen hohe Kraftstoffkosten. Neben der neuen Preisregel wird die Rolle des Bundeskartellamts betont: Die Behörde soll bessere Möglichkeiten erhalten, missbräuchliche Preisgestaltung zu verfolgen. In der Darstellung der Bundesregierung ist die Markttransparenzstelle dabei ein zentrales Instrument, weil sie nicht nur Daten für Verbraucher-Informationsdienste liefert, sondern auch eine Grundlage für Aufsicht und Prüfungen bietet.

In den offiziellen Erläuterungen wird außerdem eine Evaluation angekündigt: Nach einem Jahr soll über Wirksamkeit und praktische Auswirkungen berichtet werden. Diese Perspektive ist relevant, weil die ersten Wochen nach Einführung typischerweise von Anpassungsreaktionen geprägt sind – sowohl bei Tankstellen als auch bei Marktbeobachtung und Durchsetzung.

Marktbeobachtung: Preisbewegungen konzentrieren sich um 12 Uhr

Unabhängig von der Margenfrage lässt sich bereits ein verändertes Tagesprofil beschreiben. Eine Auswertung des ADAC, die sich auf die ersten zweieinhalb Wochen im April 2026 bezieht, zeigt deutlichere Preissprünge zur Mittagszeit. In dieser Logik ist der Zeitpunkt kurz vor 12 Uhr häufiger ein lokales Minimum, weil Tankstellen bis zur zulässigen Erhöhung eher in Senkungsphasen bleiben oder sich an niedrigeren Preisen orientieren, bevor sie um 12 Uhr den einzigen zulässigen Schritt nach oben vollziehen.

Der ADAC nennt dabei durchschnittliche Ausschläge in der Größenordnung mehrerer Cent pro Liter im unmittelbaren Umfeld der Mittagszeit. Zugleich wird beschrieben, dass die Preise nach dem Sprung am Mittag tendenziell wieder schrittweise sinken – allerdings langsamer und über Stunden verteilt. Damit verlagert sich ein Teil der früher über den Tag verstreuten Volatilität in ein stärker ritualisiertes Muster: markanter Anstieg um 12 Uhr, danach ein gradueller Abwärtspfad.

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Warum eine Zeitregel auch zu höheren Preisen führen kann

Die zentrale ökonomische Spannung besteht darin, dass eine Begrenzung der Preiserhöhungen die Risikosteuerung verändert. Wenn ein Anbieter weiß, dass er im Tagesverlauf nicht flexibel nach oben nachjustieren kann, kann er versucht sein, die Erhöhung um 12 Uhr vorsichtiger – oder aus Sicht der Kundschaft höher – anzusetzen, um mögliche Kostenanstiege oder Wettbewerbsreaktionen bis zum nächsten Tag abzufedern. Dieses Argument wurde bereits vor Einführung der Regel diskutiert und wird nun durch die ersten Datenpunkte erneut relevant.

Hinzu kommt ein Koordinationsproblem, das bei zeitlich gebündelten Preisentscheidungen grundsätzlich entstehen kann: Wenn viele Marktteilnehmer denselben „Erhöhungszeitpunkt“ nutzen, wird der Wettbewerb in dieser Phase weniger über den Zeitpunkt, sondern stärker über die Höhe der Anpassung ausgetragen. Gleichzeitig verlagert sich der Preiskampf auf die Stunden nach 12 Uhr, in denen Senkungen jederzeit möglich bleiben. Ob das insgesamt zu niedrigeren oder höheren Durchschnittspreisen führt, hängt stark davon ab, wie intensiv Anbieter tatsächlich untereinander um Marktanteile konkurrieren und wie stark lokale Märkte durch einzelne Betreiber geprägt sind.

Quellen

https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/massnahmen-gegen-spritpreise-2410850

https://www.adac.de/verkehr/tanken-kraftstoff-antrieb/tipps-zum-tanken/spritpreise-tagesverlauf/

https://www.bundeskartellamt.de/DE/Aufgaben/MarkttransparenzstelleFuerKraftstoffe/markttransparenzstellefuerkraftstoffe_node.html

https://www.graduiertenzentrum-medizin.hhu.de/fileadmin/redaktion/Fakultaeten/Wirtschaftswissenschaftliche_Fakultaet/DICE/Ordnungspolitische_Perspektiven/120_OP.pdf

Written by Julia

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