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Schaeffler-Aktie im Rüstungs-Flow: Milliarden-Ziel, Drohnenkooperation und der neue Schub für deutsche Verteidigungstechnik

Drohne mit Kamera
Drohne mit Kamera (Symbolbild) © Dominik Rueß / stock.adobe.com

Ein Interview, ein klares Signal aus dem Management und ein Thema, das an den Märkten seit Monaten für Bewegung sorgt: Rüstung. Am 22. Dezember 2025 rückte Schaeffler in den Fokus, nachdem Konzernchef Klaus Rosenfeld den Ausbau des Verteidigungsgeschäfts öffentlich bekräftigte. Parallel wird sichtbar, wie schnell sich die deutsche Industrie bei neuen Systemen wie Loitering Munition positioniert. Beides zusammen erklärt, warum „Schaeffler Aktie“ und „Rüstung“ gleichzeitig als Trendthemen auftauchen.

Rosenfeld setzt den Ton: Schaeffler will ein Unternehmen mit Verteidigungsgeschäft sein

Schaeffler will in neue Felder vorstoßen, und das Verteidigungsgeschäft steht dabei weit oben. Rosenfeld formulierte das Zielbild deutlich: Schaeffler werde ein Unternehmen mit Rüstungsgeschäft. Im Zentrum steht eine Kooperation mit dem Drohnenunternehmen Helsing. Zweck der Zusammenarbeit ist laut den Berichten, die industrielle Fertigung von Drohnen auszubauen und die Produktion skalierbar zu machen.

Für die Größenordnung nannte Rosenfeld eine Leitplanke, auch wenn es noch kein festes internes Umsatzziel gebe: Innerhalb von fünf Jahren könne das Verteidigungsgeschäft auf eine Milliarde Euro Umsatz wachsen. Gleichzeitig wurde der Status quo beziffert: Ohne die Kooperation mit Helsing liege der Umsatz im Verteidigungsbereich bereits bei rund 100 Millionen Euro.

Die Einordnung ist entscheidend: Das Kerngeschäft soll weiterhin den Löwenanteil liefern, aber Schaeffler will sich breiter aufstellen. Bis 2035 sollen zehn Prozent des Umsatzes aus neuen Geschäften kommen. In der in den Meldungen genannten Beispielrechnung entspräche das bei einem anvisierten Konzernumsatz von 30 bis 35 Milliarden Euro mindestens drei Milliarden Euro. Gleichzeitig wurde betont, dass diese Summe nicht komplett aus Verteidigung stammen müsse.

Warum der Markt so genau hinschaut: Industrialisierung statt Waffenproduktion

Im Tonfall der Aussagen steckt ein wichtiger Punkt: Schaeffler will nicht als Hersteller von Waffen oder Drohnen auftreten, sondern als Zulieferer. Rosenfeld verwies darauf, dass Schaeffler im Verteidigungsgeschäft dann Chancen habe, wenn die eigene Kompetenz in der Industrialisierung eingebracht wird. Gemeint ist die Fähigkeit, Produkte so zu entwickeln, dass sie in größerer Stückzahl mit gleichbleibender Qualität gefertigt werden können, und zwar in Deutschland.

Das ist mehr als eine PR-Formel. Verteidigungsprojekte scheitern in der Praxis häufig nicht am Prototyp, sondern am Übergang zur Serienfertigung: Lieferketten müssen stabil werden, Materialien müssen verfügbar sein, Qualitätsstandards müssen über Jahre gehalten werden. Genau hier sitzt Schaeffler traditionell stark, weil der Konzern über Jahrzehnte im Automobil- und Industrieumfeld gelernt hat, wie man komplexe Komponenten in hohen Stückzahlen zuverlässig produziert. In der aktuellen Lage wird diese Fähigkeit zur Schlüsselware.

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Rosenfeld stellte außerdem klar, dass der Einstieg strategisch motiviert ist. Dass vorhandene Technologie und Kapazitäten aus dem Autogeschäft nutzbar sind, helfe zwar, sei aber nicht der eigentliche Beweggrund. In den Berichten wird seine Aussage wiedergegeben, dass es letztlich um Verteidigungsfähigkeit gehe.

Die Börse reagiert: Mehrjahreshoch und Sonderweg im Nebenwerte-Umfeld

Am Aktienmarkt kam das Signal am 22. Dezember 2025 sichtbar an. Schaeffler-Papiere stiegen im Xetra-Handel und erreichten dabei den höchsten Stand seit etwas mehr als vier Jahren. In der Berichterstattung wird der Kurs am Nachmittag um 7,94 Euro genannt. Gleichzeitig wird beschrieben, dass Schaeffler im Nebenwerteumfeld zu den Favoriten zählte.

Spannend ist der Vergleich, den Marktbeobachter an diesem Tag ebenfalls zogen: Während bei stark gelaufenen, eher „reinen“ Rüstungswerten wie Rheinmetall, Hensoldt oder Renk zum Wochenstart eher Gewinnmitnahmen dominierten, hob sich Schaeffler davon ab. Das wird auch damit erklärt, dass Schaeffler erst seit vergleichsweise kurzer Zeit als Rüstungsstory wahrgenommen wird. Zudem spielt in der Kursfantasie laut Berichten nicht nur Verteidigung eine Rolle, sondern auch Robotik und die Hoffnung auf Rückenwind aus dem Autobereich. Aus Marktsicht ergibt das ein Paket, das weniger eindimensional wirkt als klassische Verteidigungswerte.

Loitering Munition als Taktgeber: Virtus-Test zeigt, wie schnell das Feld gerade dreht

Warum das Thema „Rüstung“ gerade so stark zieht, lässt sich auch an einem weiteren Nachrichtenstrang vom selben Tag ablesen. In Bayern testeten TDW und Stark Defence Gefechtsköpfe für die Kamikazedrohne „Virtus“. Die Berichte schildern einen Industrietest auf einem Sprengplatz in Schrobenhausen, der als Grundlage dienen soll, um die Bundeswehr zügig mit dieser Drohnenwaffe ausstatten zu können.

Genannt werden dabei auch technische Eckpunkte: Nach Angaben von Stark Defence seien mehr als 800 Millimeter Panzerstahl durchdrungen worden. Gleichzeitig wird erläutert, was unter Loitering Munition verstanden wird: Drohnen mit Sprengkopf, die über einem Zielgebiet kreisen können, bis per Datenlink ein Ziel zugewiesen und das Angriffskommando gegeben wird.

Entscheidend ist hier weniger das einzelne Testergebnis als die dahinterstehende Skalierungsidee. In einer dpa-AFX-Meldung wird berichtet, dass die Grundlage geschaffen sei, um bis 2027 Tausende Systeme mit integriertem Gefechtskopf- und Zündsystem bereitzustellen. Außerdem wird TDW-Geschäftsführer Andreas Seitz mit der Aussage zitiert, man rüste sich so auf, dass in „Zehntausenden oder sogar Hunderttausenden“ standardisierten Gefechtsköpfen gedacht werden könne, die man dann auch liefern würde. Das ist genau die Denkweise, die Industrialisierung plötzlich in den Mittelpunkt rückt.

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Dass mehrere Anbieter parallel getestet werden, passt ins Bild: In den Berichten wird genannt, dass die Bundeswehr Systeme von Stark Defence und Helsing untersucht, als weiterer Bieter wird Rheinmetall erwähnt. Der Markt bewegt sich damit sichtbar in Richtung Serienfähigkeit, Verfügbarkeit und Lieferzusagen. In so einem Umfeld wirkt es logisch, dass ein großer Industriezulieferer wie Schaeffler Aufmerksamkeit bekommt, sobald er sich klar positioniert.

Robotik bleibt parallel auf der Agenda

Der Verteidigungsschwerpunkt steht nicht allein. In den Meldungen wird Rosenfeld außerdem mit der Erwartung zitiert, dass humanoide Robotik kein Nischengeschäft, sondern voraussichtlich ein Milliardengeschäft wird. Schaeffler will demnach Schlüsselkomponenten liefern und zugleich humanoide Roboter in eigenen Produktionsprozessen einsetzen. Damit wird deutlich, dass der Konzern mehrere Wachstumspfade gleichzeitig verfolgt und Rüstung als Teil einer breiteren Neuausrichtung betrachtet.

Fazit

Der Gleichlauf der Trendthemen „Schaeffler Aktie“ und „Rüstung“ lässt sich durch die Nachrichtenlage vom 22. Dezember 2025 gut erklären: Schaeffler bekräftigt den Ausbau des Verteidigungsgeschäfts, verbindet ihn mit einer konkreten Drohnenkooperation und nennt eine Milliarden-Perspektive bei gleichzeitig schon vorhandenem Umsatzniveau. Die Börse reagiert prompt mit einem Mehrjahreshoch. Parallel zeigt der Virtus-Test, wie stark sich das Feld Loitering Munition in Richtung Industrialisierung und Stückzahlen bewegt. Genau dort liegt die Schnittstelle, an der ein Zulieferer mit Fertigungs- und Qualitätskompetenz plötzlich als strategischer Baustein gesehen wird.

Quellen

Süddeutsche Zeitung (SZ.de): „Interview mit Schaeffler-Boss Rosenfeld: ‚Wir werden ein Unternehmen mit Rüstungsgeschäft‘“ (22.12.2025).

n-tv.de: „Autozulieferer Schaeffler sattelt auf Rüstungsgeschäft um“ (22.12.2025).

RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND.de): „Schaeffler setzt stärker auf Rüstungsgeschäft – Milliardenumsatz möglich“ (22.12.2025).

finanzen.net: „Schaeffler-Aktie mit Mehrjahreshoch: Rüstungspläne untermauert“ (22.12.2025).

Süddeutsche Zeitung (SZ.de, dpa): „Deutsche Drohnenwaffe ist komplett: Gefechtskopf getestet“ (22.12.2025).

onvista.de (dpa-AFX): „Hersteller testen scharfen Schuss mit neuer Drohnenwaffe“ (22.12.2025).

comdirect Informer (dpa-AFX): „Schaeffler will verstärkt in das Rüstungsgeschäft“ (22.12.2025).

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