Aktuelle Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) und aus der Infektionsüberwachung zeigen, dass nach dem Höhepunkt der saisonalen Grippe in Deutschland erste Anzeichen für eine erneute Welle des Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) auffällig sind. Die zyklischen Muster respiratorischer Infektionserkrankungen erscheinen im Winter 2025/26 erneut deutlich, mit Influenza weiterhin dominiert und RSV zunehmend im Blick der Gesundheitsbehörden. Diese Entwicklung birgt besondere Herausforderungen für das Gesundheitssystem, insbesondere für Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen mit Vorerkrankungen.
Aktuelle Lage: Grippe weiterhin vorherrschend, RSV im Aufwind
Laut dem wöchentlichen Infektionsbericht des RKI bleibt die Grippe (Influenza) der dominierende Erreger unter den akuten Atemwegserkrankungen (ARE) in Deutschland in der dritten Kalenderwoche des Jahres 2026. Influenza-Viren, vor allem des Subtyps A(H3N2), machen den größten Anteil der nachgewiesenen respiratorischen Viren aus, gefolgt von Rhinoviren und RSV. SARS-CoV-2 spielt derzeit nur eine untergeordnete Rolle mit vergleichsweise wenigen Nachweisen in Surveillance-Proben. Gleichzeitig zeigt die Überwachung erste Warnsignale: Die Aktivität von RSV-Nachweisen sowie die Viruslast im Abwasser steigt an, ein typisches Frühindikator im saisonalen Muster akuter Atemwegsinfektionen.
Das Muster der respiratorischen Infektionen folgt in Mitteleuropa Jahr für Jahr ähnlichen saisonalen Zyklen, wobei die Grippe- und RSV-Wellen zeitlich oft überlappen oder kurz nacheinander auftreten. Influenza ist derzeit der Haupttreiber der Arztbesuche und Hospitalisierungen im ambulanten und stationären Bereich. RSV-Erkrankungen machen bislang einen kleineren, aber zunehmenden Anteil der akuten Infektionen aus.
Was ist RSV und warum ist es relevant?
Das Humane Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist ein weit verbreiteter Erreger akuter Atemwegserkrankungen, der vor allem Kleinkinder, ältere Erwachsene und Menschen mit geschwächtem Immunsystem betrifft. Das Virus wird über Tröpfchen und direkten Kontakt übertragen und verursacht Symptome, die von leichtem Schnupfen und Husten bis hin zu schweren Infektionen der unteren Atemwege reichen können. Bei kleinen Kindern kann eine RSV-Infektion zu Bronchiolitis oder Lungenentzündung führen, und bei älteren Menschen oder Vorerkrankten können schwere Verläufe auftreten.
RSV-Infektionen haben eine typische saisonale Verbreitung im Herbst und Winter, ähnlich wie Influenza. Die Surveillance-Daten des RKI zeigen, dass nach der Dominanz der Grippe im bisherigen Saisonverlauf auch RSV-Aktivitäten nach oben tendieren. Erfahrungen aus früheren Saisons zeigen, dass eine RSV-Welle oft nach dem Höhepunkt der Grippe oder parallel zu ihr auftreten kann. Die Überwachung dieser zeitlichen Dynamik hilft, bevorstehende Belastungen für Kinderkliniken und Gesundheitseinrichtungen frühzeitig abzuschätzen.
RSV-Risiken für Bevölkerungsgruppen
Für die meisten älteren Kinder und gesunden Erwachsenen verläuft eine RSV-Infektion meist mild und ähnelt einer herkömmlichen Erkältung. Probleme treten vor allem bei Säuglingen, Kleinkindern und Risikogruppen auf. Bei diesen Gruppen kann RSV eine schwere Bronchiolitis oder eine Lungenentzündung verursachen, die häufig eine stationäre Behandlung erfordert. In früheren Saisonwellen wurden erhöhte Krankenhausaufnahmen speziell bei Säuglingen und Kleinkindern registriert, was die Bedeutung einer zeitnahen Überwachung unterstreicht.
Auch ältere Menschen oder Personen mit chronischen Herz- oder Lungenerkrankungen zeigen ein erhöhtes Risiko schwerer RSV-Verläufe. Diese Bevölkerungsgruppen können bei einer Infektion ähnliche Komplikationen wie bei einer Grippe entwickeln, was zu einer erhöhten Belastung der Gesundheitsversorgung führen kann.
Impfsituation und Präventionsstrategien
Traditionell gab es keine weit verbreiteten RSV-Impfstoffe, doch in jüngerer Zeit sind erste Präventionsmöglichkeiten gegen RSV zugelassen worden. Dazu zählen monoklonale Antikörper wie Nirsevimab, die vor allem bei Säuglingen zur Saisonvorbeugung eingesetzt werden, und erste Impfstoffe, die bei älteren Menschen oder in der Schwangerschaft Schutz bieten sollen. Diese Strategien sind besonders wichtig, um schwere RSV-Erkrankungen in Risikogruppen zu verhindern oder abzumildern.
Da RSV-Infektionen und Grippe oft gleichzeitig oder in kurzer Folge auftreten, spielen allgemeine Präventionsmaßnahmen wie gutes Händewaschen, regelmäßiges Lüften von Innenräumen und das Vermeiden enger Kontakte bei Erkältungssymptomen eine Rolle beim Schutz vulnerabler Gruppen. Darüber hinaus tragen saisonale Grippeimpfungen dazu bei, den Gesamtdruck auf das Gesundheitssystem zu reduzieren, indem sie Influenza-Erkrankungen dämpfen und Platzkapazitäten für RSV-Patienten freihalten.
Ausblick: Überwachung und Gesundheitssystem
Die aktualisierten Surveillance-Daten lassen erkennen, dass RSV-Aktivitäten im Winter 2025/26 ansteigen könnten – allerdings von einem aktuell noch vergleichsweise niedrigen Niveau aus. Erste RSV-Nachweise als Anteil der respiratorischen Erreger stellen ein Frühwarnzeichen dar, das traditionell der Ankündigung einer RSV-Welle vorangeht. Die zeitlichen Abläufe saisonaler Viruserkrankungen sind dynamisch und variieren Jahr zu Jahr, abhängig auch von Faktoren wie Witterung, Immunitätslage der Bevölkerung und Verhaltensänderungen.
Für Kliniken, Kinder- und Intensivstationen ist eine vorausschauende Planung entscheidend, um auf mögliche Spitzen bei RSV-Erkrankungen vorbereitet zu sein. Die Gesundheitsämter und das RKI beobachten die Lage weiterhin eng und aktualisieren ihre Einschätzungen wöchentlich, um rechtzeitig auf Veränderungen im Infektionsgeschehen reagieren zu können. Die Kombination aus Surveillance-Daten, virologischer Diagnostik und epidemiologischen Modellen bleibt ein zentraler Baustein im Instrumentarium zur Bewältigung respiratorischer Krankheitsspitzen im Winterhalbjahr.
Fazit
Die derzeitigen Daten des Robert-Koch-Instituts zeigen, dass nach dem Höhepunkt der Grippewelle 2025/26 erste Zeichen für eine bevorstehende RSV-Welle in Deutschland sichtbar sind. Influenza dominiert aktuell das Atemwegsgeschehen und belastet Kliniken und Praxen, doch RSV-Aktivitäten steigen – wie in früheren Jahren typisch – allmählich an. Besonders gefährdet sind Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen. Die kombinierte Überwachung von Influenza, RSV und anderen respiratorischen Erregern bleibt essenziell, um auf sich ändernde Infektionsmuster rechtzeitig reagieren zu können. Präventive Maßnahmen und Impfstrategien für Risikogruppen können dazu beitragen, schwere Krankheitsverläufe zu reduzieren und das Gesundheitssystem zu entlasten.
Quellen
Robert Koch-Institut: Surveillance akuter Atemwegserkrankungen und Influenza-Wochenberichte
t-online: „RSV-Welle rollt an: RKI warnt vor Gefahr für Säuglinge und Senioren“
Wikipedia: Humanes Respiratorisches Synzytial-Virus
Infektionsradar des Bundes: RSV-Epidemiologie
Apotheken Umschau: Erkältungssaison 2025/26 – diese Viren sind besonders verbreitet


