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Nach Kündigungswelle: ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand legt Amt nieder

Symbolbild (KI erstellt)

Beim ADAC hat ein personeller Einschnitt für Aufmerksamkeit gesorgt: Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand hat sein Amt niedergelegt. Auslöser ist eine große Zahl an Austritten und Beschwerden, die der Club in Zusammenhang mit einem Interview Hillebrands zum Jahreswechsel nennt. In der Mitteilung des ADAC ist von „erheblichen Irritationen“ unter Mitgliedern die Rede, die sich nach den öffentlichen Äußerungen aufgebaut hätten.

Rücktritt nach Reaktionen auf Interview-Aussagen

Nach übereinstimmenden Berichten mehrerer Medien folgte auf ein Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, das Ende Dezember veröffentlicht wurde, eine spürbare Protestwelle. Hillebrand hatte darin die CO₂-Bepreisung als geeignetes Instrument eingeordnet, um Klimaschutzziele zu erreichen, und zugleich betont, dass Preisspitzen vermieden werden sollten und Alternativen verfügbar sein müssten. Innerhalb des ADAC stießen die Aussagen dennoch auf massiven Unmut, der sich in einer großen Zahl an Kündigungen und Zuschriften niederschlug.

Der Automobilclub beziffert die Kündigungen, die im Umfeld dieser Debatte eingegangen seien, auf rund 60.000. Auch wenn bei Mitgliederzahlen stets Fristen, Überschneidungen und unterschiedliche Motive eine Rolle spielen, ist die Größenordnung bemerkenswert. Der ADAC erklärte, Hillebrand übernehme mit seinem Schritt Verantwortung für den entstandenen Reputationsschaden und den Vertrauensverlust, der sich in Teilen der Mitgliedschaft gezeigt habe.

Was der ADAC zum Mitgliedertrend sagt

Der Club stellt den Vorgang zugleich in einen breiteren Zusammenhang. Demnach habe es im Januar auch viele Neueintritte gegeben; einzelne Berichte nennen mehr als 100.000 neue Mitgliedschaften. Das unterstreicht, dass die Entwicklung nicht nur in eine Richtung verläuft und dass die Bilanz kurzfristig schwer eindeutig zu ziehen ist. Dennoch bleibt der Einschnitt sichtbar: Die öffentliche Kontroverse um Spritpreise, Klimapolitik und die Positionierung eines großen Verkehrsvereins hat eine Dynamik erzeugt, die nun auch organisatorische Konsequenzen nach sich zieht.

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In der Außendarstellung ist das Thema heikel, weil der ADAC als Interessenvertretung von Autofahrern wahrgenommen wird, zugleich aber seit Jahren stärker als Mobilitätsclub auftreten will. Wenn ein Spitzenvertreter Aussagen tätigt, die Teile der Basis als Belastung interpretieren, entsteht schnell der Eindruck einer Entfremdung. Genau diese Stimmungslage spiegelt sich laut Berichten in Beschwerden und Kündigungen wider, die nach dem Interview eingegangen seien.

Übergangslösung: Zuständigkeit wandert zum Technikpräsidenten

Für die Arbeit im Präsidium soll es nach Angaben aus der Berichterstattung eine schnelle Übergangslösung geben. Demnach übernimmt der ADAC-Technikpräsident Karsten Schulze vorübergehend den Verantwortungsbereich, den Hillebrand bisher geprägt hat. Das soll Kontinuität sicherstellen, während intern geklärt wird, wie die Aufgaben künftig organisiert und personell besetzt werden.

Die Personalie ist auch deshalb interessant, weil sie zeigt, wie sensibel Themen rund um CO₂-Preise und Kraftstoffkosten weiterhin sind. Die CO₂-Bepreisung wird politisch als Lenkungsinstrument verstanden, trifft im Alltag aber direkt an der Zapfsäule. Medienberichte verweisen darauf, dass der aktuelle Aufschlag im Cent-Bereich liegt, die Symbolik jedoch deutlich größer ist: Schon die Einordnung als „richtiges Instrument“ wurde von vielen als Befürwortung teurerer Mobilität gelesen.

Ein Konflikt über Richtung und Selbstbild

Im Kern dreht sich der Streit weniger um einzelne Centbeträge als um das Selbstbild des ADAC. Als größter Automobilclub Deutschlands vereint er sehr unterschiedliche Erwartungen: Pannenhilfe und Services, politische Interessenvertretung, Verkehrssicherheit, Technikthemen, aber auch Positionen zur Mobilitätswende. Wenn diese Stränge öffentlich kollidieren, entsteht schnell ein Kulturkonflikt innerhalb der Mitgliedschaft. Hillebrands Rückzug kann deshalb auch als Versuch gelesen werden, die Debatte zu beruhigen und die Diskussion wieder auf eine sachlichere Ebene zu bringen.

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Auffällig ist, wie stark ein einzelnes Interview nachwirken kann. In den Berichten wird der zeitliche Ablauf relativ klar beschrieben: Veröffentlichung Ende Dezember, anschließend eine wachsende Protest- und Kündigungsdynamik, nun der Rücktritt Anfang Februar. Dass der ADAC selbst von Irritationen und Vertrauensverlust spricht, deutet auf ein internes Problembewusstsein hin, das über kurzfristige Schlagzeilen hinausgeht.

Wie es weitergeht

Entscheidend wird sein, ob es dem Club gelingt, den entstandenen Riss zu schließen. In der Berichterstattung ist von Bemühungen die Rede, enttäuschte Mitglieder zurückzugewinnen. Gleichzeitig dürfte das Präsidium darauf achten, wie künftige Positionierungen zur Klima- und Verkehrspolitik kommuniziert werden, damit es nicht erneut zu einem explosiven Missverständnis zwischen Führung und Basis kommt.

Der Rücktritt ist damit mehr als ein Personalwechsel. Er ist ein Signal dafür, wie schnell Stimmungen in großen Mitgliederorganisationen kippen können, wenn kontroverse Aussagen auf ein aufgeladenes Thema treffen. Für den ADAC bedeutet das kurzfristig Krisenmanagement, mittelfristig aber auch die Aufgabe, das eigene Profil zwischen klassischer Autofahrervertretung und breiter Mobilitätsagenda glaubwürdig zu schärfen.

Quellen:

Deutschlandfunk, 02.02.2026: Bericht zum Amtsverzicht von Gerhard Hillebrand. (https://www.deutschlandfunk.de/nach-zahlreichen-austritten-adac-verkehrspraesident-hillebrand-legt-amt-nieder-100.html)

Handelsblatt, 02.02.2026: Meldung zu Rücktritt und Kündigungszahl. (https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/adac-verkehrspraesident-hillebrand-tritt-nach-60.000-kuendigungen-zurueck/100196755.html)

Stuttgarter Zeitung, 02.02.2026: Bericht zur Reaktion des ADAC („erhebliche Irritationen“). (https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.kuendigungswelle-bei-automobilclub-erhebliche-irritationen-adac-verkehrspraesident-tritt-zurueck.5979b6a4-2509-4834-aa38-8affeeeefb4e.html)

auto motor und sport, 02.02.2026: Einordnung des Rücktritts nach Interview-Debatte. (https://www.auto-motor-und-sport.de/verkehr/gerhard-hillebrand-zieht-konsequenzen-nach-streit-interview-adac-verkehrspraesident-tritt-zurueck/)

WELT, 02.02.2026: Bericht zur Kündigungswelle und Übergangslösung. (https://www.welt.de/article6980917278c88161f9da474a)

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