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Kassenärzte-Chef fordert radikale Abschaffung aller freiwilligen GKV-Leistungen

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Der Vorstoß kommt in einer Phase, in der die Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erneut zum politischen Dauerthema geworden ist: Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, fordert, dass Krankenkassen sämtliche freiwilligen Zusatzleistungen streichen sollen. Gemeint sind sogenannte Satzungsleistungen, also Angebote, die über den gesetzlich definierten Leistungskatalog hinausgehen und von Kasse zu Kasse variieren. Der Vorschlag hat binnen Stunden breite Aufmerksamkeit erzeugt, weil er direkt an zwei empfindliche Punkte rührt: an den Wettbewerb der Kassen um Mitglieder und an die Frage, welche Leistungen in einem solidarisch finanzierten System noch „zusätzlich“ sein dürfen, wenn gleichzeitig über Einsparungen und steigende Beiträge gestritten wird.

Nach den in den vergangenen Stunden veröffentlichten Berichten beruft sich Gassen dabei auf ein Einsparpotenzial in der Größenordnung von knapp einer Milliarde Euro jährlich. Im Kern lautet die Argumentation: Wenn im System gespart werden müsse, sollten zuerst Leistungen wegfallen, die nicht zum medizinisch notwendigen Kern gehören und die aus seiner Sicht teils marketinggetrieben eingesetzt werden. Die Forderung steht damit nicht isoliert, sondern reiht sich in eine breitere Reformdebatte ein, in der die Bundesregierung für 2026 weitere Schritte zur Stabilisierung der GKV-Finanzen in Aussicht gestellt hat.

Was genau zur Debatte steht: „freiwillige“ GKV-Leistungen

In der gesetzlichen Krankenversicherung sind die Pflichtleistungen im Sozialgesetzbuch (SGB V) verankert und werden unter anderem über den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) konkretisiert. Daneben können Krankenkassen zusätzliche Leistungen in ihrer Satzung festlegen. Diese Satzungsleistungen sind rechtlich zulässig, solange sie nicht gegen gesetzliche Ausschlüsse verstoßen und die Vorgaben eingehalten werden. Praktisch führt das zu einem Wettbewerb, bei dem Kassen mit Extra-Angeboten punkten wollen, die Versicherte als attraktiv wahrnehmen.

In den aktuellen Veröffentlichungen werden als Beispiele unter anderem Zuschüsse zu professioneller Zahnreinigung, Bonus- und Präventionsangebote oder die (politisch seit Jahren umstrittene) Erstattung bestimmter alternativmedizinischer Verfahren genannt. Befürworter solcher Extras argumentieren regelmäßig mit Prävention, Gesundheitsförderung und Wahlfreiheit. Kritiker hingegen sehen darin eine teure Parallelwelt neben dem Pflichtkatalog, die vor allem im Wettbewerb wirkt, ohne zwingend die Versorgung zu verbessern.

Gassens Forderung: Streichung aller Kassen-Extras als Sparsignal

Der jetzt diskutierte Vorschlag geht über einzelne Leistungskürzungen hinaus: Gassen plädiert für die vollständige Abschaffung der freiwilligen Leistungen. Das wäre ein harter Schnitt, weil damit nicht nur umstrittene Angebote, sondern auch Satzungsleistungen mit breiter Akzeptanz entfallen würden. Als zentrale Begründung wird in den Berichten angeführt, dass die GKV unter erheblichem Spardruck stehe und dass es widersprüchlich sei, wenn Kassen auf der einen Seite Einschnitte bei der Vergütung medizinisch notwendiger Leistungen anmahnten, auf der anderen Seite aber Geld für freiwillige Zusatzangebote ausgäben.

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Politisch zielt der Vorstoß damit auf eine Prioritätendebatte: Was ist im solidarischen System unverzichtbar, was ist verzichtbar? Und wer entscheidet darüber? Während der Pflichtleistungskatalog über gesetzliche Regeln und Gremienprozesse gesteuert wird, liegen Satzungsleistungen stärker in der Gestaltungsfreiheit der Kassen. Genau diese Dezentralität macht sie aus Sicht von Kritikern zu einem naheliegenden Ansatzpunkt, wenn schnell sichtbare Einsparungen erzielt werden sollen.

Einordnung in die Reformlage 2026: Kostendruck, Beitragssätze und politische Zeitpläne

Die Forderung fällt in eine Zeit, in der die Stabilisierung der GKV-Finanzen bereits offiziell auf der Agenda steht. Das Bundesgesundheitsministerium beschreibt auf seinen Informationsseiten die Grundmechanik der Finanzierung, inklusive Zusatzbeitragssystem und Bundeszuschüssen, und verweist auf strukturelle Belastungen, die regelmäßig in politischen Reformdebatten auftauchen. Auch wenn die Details der aktuellen Reformvorhaben hier nicht abschließend geklärt sind, ist der Kontext eindeutig: Der Spielraum gilt als begrenzt, die Ausgaben steigen, und es wird nach kurzfristig wirksamen Stellschrauben gesucht.

Gassens Ansatz ist dabei kommunikativ wirksam, weil er einen sichtbaren Bereich adressiert, der in der öffentlichen Wahrnehmung schnell verständlich ist: Extras, die nicht zum Kern gehören, sollen weg. Ob die Summe, die dadurch realistisch frei würde, im Verhältnis zu den Gesamtaufwendungen der GKV steht, ist eine zweite Frage. Die GKV bewegt sich in einer Größenordnung, in der selbst hohe zweistellige Millionenbeträge oft nur begrenzte Effekte auf Beitragssätze haben. Dennoch sind „knapp eine Milliarde“ politisch eine relevante Zahl, weil sie in der Debatte als Symbol für Priorisierung und Disziplin dienen kann.

Reaktionen und offene Punkte: Was bislang nicht belegt ist

In den Veröffentlichungen der letzten Stunden steht vor allem Gassens Forderung selbst im Mittelpunkt. Eine unmittelbare, belastbare Gegenrechnung oder ein konkreter Umsetzungsplan ist darin nicht erkennbar. Offen bleibt insbesondere, wie die genannte Einsparsumme genau zustande kommt, welche Datenbasis verwendet wird und ob es sich um Brutto- oder Nettoeffekte handelt. Ebenso ist unklar, ob eine vollständige Abschaffung politisch überhaupt realistisch wäre oder ob am Ende eher ein gezieltes Streichen einzelner Leistungsbereiche (zum Beispiel klar umstrittener Angebote) herauskommt.

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Ein weiterer offener Punkt ist die Frage nach der Abgrenzung: Manche Satzungsleistungen betreffen Prävention oder Zuschüsse, die von vielen als sinnvoll angesehen werden. Würden diese pauschal gestrichen, könnte das Folgeeffekte haben, etwa bei der Inanspruchnahme präventiver Angebote. Ob solche Effekte messbar sind und wie sie zu bewerten wären, ist in den aktuellen Informationen nicht abschließend beantwortet.

Warum Satzungsleistungen so konfliktträchtig sind

Der Streit um freiwillige Leistungen ist nicht neu. Er bündelt mehrere Konfliktlinien: Erstens die wissenschaftliche und gesundheitspolitische Bewertung einzelner Angebote, zweitens den Wettbewerb der Kassen und drittens das Solidarprinzip. Gerade bei Leistungen, deren Nutzen umstritten ist, wird häufig argumentiert, dass Beitragsmittel nicht für Angebote eingesetzt werden sollten, die keinen klar belegbaren medizinischen Mehrwert liefern. Auf der anderen Seite verweisen Kassen und Teile der Politik regelmäßig darauf, dass Wettbewerb auch über Service und Zusatzangebote funktionieren soll und dass Versicherten dadurch Wahlmöglichkeiten entstehen.

Gassens Vorschlag verschiebt diese Abwägung deutlich: Nicht die einzelne Leistung steht im Fokus, sondern das Prinzip, dass es in einer angespannten Finanzlage überhaupt noch freiwillige Kassen-Extras geben sollte. Damit wird der Wettbewerb über Zusatzleistungen indirekt als Luxus betrachtet, den man sich bei Defiziten nicht leisten könne.

Fazit

Andreas Gassen hat mit der Forderung nach einer kompletten Streichung freiwilliger GKV-Leistungen einen maximalen Sparvorschlag in die Debatte gebracht. Die in den letzten 24 Stunden veröffentlichten Berichte zeichnen ein konsistentes Bild: Es geht um Satzungsleistungen als „Extras“ der Krankenkassen, um ein behauptetes Einsparpotenzial von knapp einer Milliarde Euro jährlich und um den politischen Impuls, in einem finanziell angespannten System zuerst das Zusätzliche zu streichen. Noch offen bleibt, wie belastbar die Kalkulation ist, welche konkreten Leistungen in welchem Umfang betroffen wären und ob die Politik einen so pauschalen Schnitt mittragen würde oder am Ende selektiv einzelne, besonders umstrittene Angebote ins Visier nimmt.

Quellen

https://www.rnd.de/politik/krankenkassen-sollen-sparen-kassenaerztechef-gassen-fordert-streichung-aller-freiwilligen-leistungen-H7FVCFQRBNGRXLYU2PKTNLUYQ4.html

https://www.gmx.net/magazine/politik/videos/inland/kassenaerzte-chef-freiwillige-krankenkassen-leistungen-streichen-41929452

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/finanzierung-gkv

https://www.kbv.de/

Written by Julia

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