Ein Waldbrand am Rotenfels im Landkreis Bad Kreuznach hat am Wochenende eine außergewöhnliche Einsatzlage ausgelöst. Das Feuer brennt in einem kampfmittelbelasteten Waldgebiet nahe Traisen. Mehrfach kam es nach Angaben der Einsatzkräfte zu Explosionen, wodurch direkte Löscharbeiten im Brandherd zeitweise unmöglich wurden. In der Nacht zum Sonntag wurden zunächst Teile des Ortes evakuiert, am Sonntagvormittag folgte die Räumung der gesamten Ortsgemeinde. Bis zum späten Vormittag wurden keine Verletzten gemeldet.
Brand in steilem Gelände mit Weltkriegsmunition
Der Brand brach am Samstagnachmittag in einem steilen Waldgebiet am Rotenfels aus. Neben der schwierigen Topografie stellt vor allem die Kampfmittelbelastung des Geländes die Einsatzkräfte vor erhebliche Probleme. In dem Bereich befinden sich noch Munition und andere Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg, die durch die Hitze detonieren können.
Mehrere Explosionen bestätigten diese Gefahr. Die Feuerwehr musste deshalb den direkten Löschangriff im Brandzentrum zeitweise einstellen und den Kampfmittelräumdienst hinzuziehen. Stattdessen konzentrierte sich der Einsatz auf die Eindämmung des Feuers aus sicherer Entfernung sowie den Schutz angrenzender Bereiche.
Chronologie des Einsatzes
Samstag: Alarmierung und erste Maßnahmen
Nach Angaben der Kreisverwaltung Bad Kreuznach wurden die Feuerwehren der Verbandsgemeinde Rüdesheim am Samstag um 14:28 Uhr alarmiert. Zu Beginn wurde die Brandfläche auf etwa zwei Hektar geschätzt. Bereits in dieser Phase wiesen die Behörden darauf hin, dass sich das Feuer in einem Kampfmittelgebiet ausbreitet. Gebäude in unmittelbarer Nähe wurden vorsorglich geräumt.
Über KATWARN forderte die Kreisverwaltung die Bevölkerung auf, Fenster und Türen geschlossen zu halten, Rauch zu meiden und das Gebiet weiträumig zu umgehen.
Nacht zum Sonntag: Teilevakuierung
Am späten Abend ordnete die Einsatzleitung die Evakuierung mehrerer Straßenzüge im Norden von Traisen innerhalb eines Ein-Kilometer-Radius um das Gefahrengebiet an. Betroffen waren unter anderem die Rotenfelser Straße, Auf dem Nauberg, Teile der Straße Zu den Weinbergen, Gartenstraße, Kirchstraße, Schulstraße sowie Im Schönblick und der Brunnenplatz. Die Räumung sollte bis 2 Uhr abgeschlossen sein.
Für Betroffene wurde eine Notunterkunft in der Birkenberghalle in Roxheim eingerichtet. Zusätzlich organisierte die Kreisverwaltung Hotelzimmer für besonders schutzbedürftige Personen. Nach Behördenangaben bestand keine unmittelbare Gefahr für die Wohngebäude; die Evakuierung erfolgte vorsorglich wegen möglicher Explosionen und möglicher Splitterwirkung.
Sonntag: Lage verschärft sich
Die Brandfläche wurde am Sonntagmorgen zunächst auf rund 2,7 Hektar geschätzt, später auf etwa drei Hektar. Nach Angaben des Katastrophenschutzes war das Feuer zu diesem Zeitpunkt noch nicht unter Kontrolle. Hauptgründe waren die anhaltende Trockenheit, hohe Temperaturen sowie die Kampfmittelbelastung, die einen direkten Einsatz am Brandherd verhindert.
Die Feuerwehr konzentriert sich deshalb auf das Anlegen von Brandschneisen, den Schutz gefährdeter Bereiche und die Brandbekämpfung aus sicherer Entfernung. Dazu wurden unter anderem Wasserwerfer mit großer Reichweite angefordert.
Gesamter Ort Traisen evakuiert
Im Laufe des Sonntagvormittags wurde die Evakuierung auf den gesamten Ort Traisen ausgeweitet. Die Räumung erfolgte mit Unterstützung der Polizei und verdeutlicht die zunehmende Gefährdungslage.
Großeinsatz mit überregionaler Unterstützung
Rund 250 Einsatzkräfte waren nach Behördenangaben im Einsatz. Unterstützung kam aus benachbarten Landkreisen, aus Mainz sowie aus Hessen, darunter Spezialkräfte für Einsätze in kampfmittelbelasteten Gebieten.
Neben der Brandbekämpfung mussten Löschwasser über lange Strecken herangeführt, Evakuierungen organisiert und die Versorgung der Einsatzkräfte sichergestellt werden. In einem Kampfmittelgebiet sind Bewegungen nur eingeschränkt möglich. Deshalb setzt die Einsatzleitung auf eine überwiegend defensive Taktik, um das Feuer einzudämmen und gleichzeitig die Sicherheit der Einsatzkräfte zu gewährleisten.
Brandursache weiterhin unklar
Die Region leidet seit Tagen unter großer Hitze und Trockenheit, wodurch die Waldbrandgefahr deutlich erhöht ist. Zur Ursache des Feuers lagen bis Sonntagmittag keine gesicherten Erkenntnisse vor. Ermittlungen können erst beginnen, wenn die akute Gefahrenlage beendet und der Brandort sicher zugänglich ist.
Fazit
Der Waldbrand am Rotenfels hat sich innerhalb weniger Stunden zu einer außergewöhnlichen Gefahrenlage entwickelt. Ausschlaggebend ist die Kombination aus steilem Gelände, extremer Trockenheit und einem mit Weltkriegsmunition belasteten Waldgebiet. Die Explosionen erschweren die Löscharbeiten erheblich und machten zunächst eine Teilevakuierung, später die Räumung der gesamten Ortsgemeinde Traisen erforderlich. Die weitere Entwicklung hängt davon ab, ob die Einsatzkräfte das Feuer von außen eindämmen können und die Gefahr durch detonierende Kampfmittel nachlässt.
Quellen
https://www.kreis-badkreuznach.de/neuigkeiten/
https://www.hitzewarnungen.de/


