Jährlich werden in Deutschland laut Statista mehr als fünf Millionen Tonnen Gemüse importiert. Ein Grund dafür ist, dass viele Sorten hierzulande aufgrund der Jahreszeiten nicht das ganze Jahr über angebaut werden können. Das Münsteraner Startup Stallgrün hat deshalb ein Konzept entwickelt, mit dem Kräuter und Gemüse in ehemaligen Tierställen kultiviert werden können. Der regionale Anbau soll für mehr Frische sorgen und zugleich Gewächshausflächen, Transportwege und Emissionen verringern. Darüber hinaus eröffnet das Verfahren landwirtschaftlichen Betrieben neue wirtschaftliche Chancen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt unterstützt das Startup mit 125.000 Euro.
Regionale Produktion das ganze Jahr über
Nach Angaben des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat ist die Zahl der Betriebe mit Schweinehaltung in Deutschland zwischen 2013 und 2023 um 44 Prozent gesunken. Dieser Strukturwandel in der Landwirtschaft dürfte sich weiter fortsetzen. Für den Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, Alexander Bonde, ergibt sich daraus Raum für nachhaltige und zukunftsfähige Ideen. Er machte deutlich, dass eine neue und umweltfreundliche Nutzung freiwerdender Infrastruktur den Betrieben wirtschaftliche Perspektiven eröffnen könne und zugleich verhindere, dass an anderer Stelle zusätzliche Flächen versiegelt werden.
Nach Einschätzung von Stallgrün bieten ehemalige Schweineställe gute Voraussetzungen für den Anbau regionaler Kräuter und Gemüse. Die Gründer Judith Ryll und Thorsten Lansmann-Niehaus verweisen darauf, dass diese Gebäude in der Regel stabil errichtet und gut isoliert seien und sich deshalb gut weiterverwenden ließen. Auf dieser Grundlage hat das Startup ein System entwickelt, das einen ganzjährigen regionalen Anbau ermöglicht, auch in Zeiten, in denen eine Produktion im Freiland nicht möglich ist.
Automatisierte Steuerung für den Anbau
Wie Judith Ryll erläuterte, wurde das Konzept in zwei Schritten entwickelt. Zunächst entstand im Rahmen der DBU-Förderung eine Anlage, die Bewässerung, Düngung, Beleuchtung und Klimasteuerung automatisiert regelt. Dieses System wurde in den vergangenen zwei Jahren auf einer Pilotfarm erfolgreich erprobt. Aus Sicht des Startups zeigt sich damit, dass Indoor Farming in ehemaligen Schweineställen für landwirtschaftliche Betriebe ein wirtschaftlich interessantes Geschäftsfeld sein kann.
Zusätzlich haben die Gründer für zahlreiche Kräuter- und Gemüsearten Anbauprotokolle erarbeitet. Darin ist festgelegt, wie Saatgut, Erde, Dünger, Licht und Bewässerungszyklen optimal eingesetzt werden können. Ziel ist es, landwirtschaftlichen Betrieben den Einstieg in das Indoor Farming zu erleichtern und eine Umstellung oder Erweiterung ihrer Produktion möglichst einfach zu machen.
Hilfe bei Vermarktung und Organisation
Nach Angaben von Thorsten Lansmann-Niehaus sollen landwirtschaftliche Betriebe in ganz Deutschland angesprochen werden. Das Startup bietet nicht nur die technische Lösung für den Anbau in ehemaligen Ställen an, sondern unterstützt die Betriebe auch beim Aufbau von Vermarktungsstrukturen. Inzwischen wurden weitere Angebote entwickelt, die den Einstieg erleichtern sollen. Dazu gehören ein Materialhandel, über den passendes Anbaumaterial aus einer Hand bereitgestellt wird, sowie rechtliche Hilfen für organisatorische und verwaltungstechnische Fragen.
Ergänzung statt Ersatz für den klassischen Anbau
Stallgrün versteht Indoor Farming nicht als Konkurrenz zum klassischen Ackerbau oder zum Gewächshausanbau. Nach Aussage von Lansmann-Niehaus soll das System vielmehr eine Ergänzung sein. Weil sich Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Licht gezielt steuern lassen, kann die Produktion unabhängig von Wetter, Jahreszeit und Klima erfolgen. Dadurch werden regionale Produkte auch dann verfügbar, wenn sie sonst nur saisonal angebaut werden könnten.
Der Freilandanbau bleibe dennoch wichtig, da er weiterhin sehr effizient sei. Das neue Modell eröffne landwirtschaftlichen Betrieben jedoch ein zusätzliches Geschäftsfeld, indem vorhandene Infrastruktur wie Gebäude und Photovoltaik-Anlagen weiter genutzt werde. Für Höfe, bei denen die Schweinehaltung wirtschaftlich keine Perspektive mehr bietet, könne das eine neue Einkommensquelle sein. Zugleich könnte eine stärkere regionale Produktion dazu beitragen, Importe zu verringern und dadurch Transportaufwand sowie Emissionen zu senken.
Über die Green Startup-Förderung
Mit ihrer Green Startup-Förderung unterstützt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt Gründerinnen und Gründer, die innovative und wirtschaftlich tragfähige Lösungen für Umwelt, Nachhaltigkeit und Ökologie entwickeln.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)/Veröffentlicht am 12.05.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt.


