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Epitheloides Angiosarkom: Thomas Gottschalks Kampf gegen einen seltenen Krebs

Als Thomas Gottschalk Anfang Dezember öffentlich sagte „Ich habe Krebs“, wurde nicht nur eine persönliche Geschichte bekannt, sondern auch eine Diagnose, die vielen unbekannt ist: epitheloides Angiosarkom. Der 75-jährige Entertainer lebt seit Sommer 2025 mit dieser seltenen Tumorerkrankung, wurde bereits zweimal stundenlang operiert und hat eine intensive Strahlentherapie mit 33 Sitzungen hinter sich. Nach Angaben seines behandelnden Urologen besteht dennoch begründete Hoffnung, dass der Tumor vollständig entfernt wurde und eine Heilung möglich ist.

Gleichzeitig lenkt Gottschalks Offenheit den Blick auf eine Krebsart, die selbst im medizinischen Alltag nur selten vorkommt. Epitheloide Angiosarkome gehören zu den aggressivsten Gefäßtumoren überhaupt, treten bevorzugt bei älteren Männern auf und werden oft erst spät entdeckt. Das erklärt, weshalb Fachleute die Erkrankung als besonders tückisch und schwer beherrschbar beschreiben.

Was hinter einem epitheloiden Angiosarkom steckt

Seltene Unterform eines Gefäßtumors

Ein epitheloides Angiosarkom ist eine Sonderform des Angiosarkoms, also eines bösartigen Tumors, der aus Endothelzellen entsteht – den Zellen, die die Innenwände von Blut- und Lymphgefäßen auskleiden. Damit gehört die Erkrankung zur Gruppe der Sarkome. Diese machen insgesamt nur einen kleinen Anteil aller Krebserkrankungen aus; Angiosarkome wiederum sind nur ein sehr kleiner Teil der Sarkome, und die epitheloide Variante ist noch einmal deutlich seltener.

Medizinische Quellen gehen davon aus, dass in Deutschland nur einige Dutzend Menschen pro Jahr an einem epitheloiden Angiosarkom erkranken. Besonders häufig betroffen sind ältere Erwachsene, meist im siebten Lebensjahrzehnt. Männer scheinen etwas häufiger zu erkranken als Frauen. Typisch ist ein Wachstum in tiefen Weichteilen, etwa im Bindegewebe, in der Muskulatur oder in inneren Organen. Neben Haut, Brustdrüse, Leber oder Milz können in Einzelfällen auch Strukturen des Harntraktes, etwa die Harnblase, befallen sein – so wie es bei Gottschalk berichtet wird.

Beschwerden und Diagnose

Die Symptome hängen stark davon ab, wo der Tumor im Körper sitzt. An der Haut zeigen sich gelegentlich rötlich-bläuliche Flecken, Knoten oder Schwellungen, die leicht mit Hämatomen, Entzündungen oder Gefäßveränderungen verwechselt werden. In tieferen Gewebeschichten stehen eher Schmerzen, ein Druckgefühl, Schwellungen oder funktionelle Einschränkungen im Vordergrund.

Sind Harnleiter oder Blase beteiligt, können Blut im Urin, Schmerzen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang oder wiederkehrende Infektionen auftreten. Viele Betroffene berichten zusätzlich über unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit, Gewichtsverlust oder reduzierte Belastbarkeit. Gerade weil die Anzeichen so unklar sind, wird die Diagnose häufig erst gestellt, wenn der Tumor bereits eine gewisse Größe erreicht hat oder in umliegendes Gewebe eingewachsen ist.

Zur Abklärung werden in der Regel bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt. Den entscheidenden Beweis liefert jedoch eine Gewebeprobe. Erst die feingewebliche Untersuchung unter dem Mikroskop zeigt, dass es sich tatsächlich um ein Angiosarkom und darin um die epitheloide Unterform handelt. Anschließend wird der ganze Körper nach möglichen Metastasen abgesucht, weil sich Tumorzellen über Blut- und Lymphbahnen verbreiten können.

Thomas Gottschalks Diagnose und Behandlung

Zwei große Operationen im Sommer 2025

Nach Berichten mehrerer Medien erhielt Thomas Gottschalk im Juli 2025 die Diagnose epitheloides Angiosarkom. Der Tumor war im Bereich der ableitenden Harnwege lokalisiert, unter anderem an Harnleiter und Harnblase. Am Klinikum Rechts der Isar der Technischen Universität München wurde er von Urologie-Chefprofessor Jürgen Gschwend operiert. Zunächst dauerte der Eingriff rund sieben Stunden, später folgte eine zweite, etwa sechsstündige Operation.

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Der Hintergrund: Bei dieser Tumorart ist es entscheidend, möglichst alle Krebszellen zu entfernen. Wenn im Gewebe oder in den pathologischen Schnitten unklare Ränder oder Restbefunde auffallen, wird deshalb ein weiterer Eingriff empfohlen. Nach Angaben seines Arztes ist es gelungen, das Tumorgewebe im Bereich von Harnleiter und Blase komplett zu entfernen und die ableitenden Harnwege chirurgisch zu rekonstruieren.

In Interviews schildern Gottschalk und seine Frau Karina, wie stark ihn diese Eingriffe belastet haben. Trotz Schmerzen und starker Medikamente stand der Entertainer anschließend schneller wieder vor Kameras, als gut für die Erholung gewesen wäre. Rückblickend spricht er selbst von einer zu frühen Rückkehr in den normalen Arbeitsmodus.

Strahlentherapie mit 33 Sitzungen

Auf die Operation folgte eine umfassende Strahlentherapie. Sie wird von Professorin Stephanie Combs und ihrem Team in der Klinik für Strahlentherapie des TUM-Klinikums Rechts der Isar durchgeführt. Die Ärztin beschreibt in Interviews, dass hier nach dem Prinzip „so gründlich wie möglich“ vorgegangen wird: Auch wenn der Tumor chirurgisch entfernt ist, können einzelne Krebszellen im Operationsgebiet zurückbleiben. Die Bestrahlung soll diese mikroskopisch kleinen Reste zerstören, um einen Rückfall zu verhindern.

Gottschalk nahm insgesamt 33 Bestrahlungen auf sich – ein Schema, das sich über mehrere Wochen mit nahezu täglichen Terminen erstreckt. Die eigentliche Bestrahlung dauert nur wenige Minuten, ist nicht schmerzhaft, kann aber Müdigkeit, Hautreizungen oder Reizungen der Blase verursachen. In Medienberichten wird von einer erheblichen körperlichen und psychischen Belastung gesprochen, die der Entertainer während dieser Zeit durchstehen musste.

Sein Urologe betont inzwischen, das Schlimmste sei überstanden. Nach den erfolgreichen Operationen und der abgeschlossenen Strahlentherapie bestehe die realistische Aussicht, dass der Tumor vollständig eliminiert wurde. Weitere Schritte sind derzeit nicht geplant, stattdessen ist eine engmaschige Nachsorge mit regelmäßigen Kontrollen vereinbart.

Zwischen Therapiealltag und TV-Abschied

Trotz der schweren Erkrankung hält Gottschalk an seinem Plan fest, sich im Dezember 2025 mit einer letzten großen Live-Show aus dem Samstagabend-Programm zu verabschieden. Die Sendung „Denn sie wissen nicht, was passiert“ soll sein offizieller Abschied von der großen Bühne werden. Gleichzeitig steht fest, dass die Priorität nun klar auf Gesundheit, Erholung und Nachsorge liegt.

Dass Gottschalk seine Diagnose öffentlich gemacht hat, hängt auch mit den Diskussionen um seine zuletzt teils fahrigen Auftritte zusammen, unter anderem bei der Bambi-Verleihung. Seine Frau schilderte, die starken Schmerzmittel nach den Operationen hätten ihn phasenweise benommen und unkonzentriert wirken lassen. Mit dem Schritt an die Öffentlichkeit wollte das Paar erklären, was sich im Hintergrund abgespielt hat – und zugleich Mut machen, über Krebs offen zu sprechen.

Wie gefährlich diese Krebsart ist

Agressiver Verlauf und frühe Streuung

Epitheloide Angiosarkome gelten als besonders aggressiv. Sie wachsen oft rasch, infiltrieren umliegendes Gewebe und neigen dazu, früh über Blut- und Lymphbahnen zu streuen. Fachartikel und Patienteninformationen beschreiben, dass die Prognose bei fortgeschrittener Erkrankung ungünstig ist, insbesondere wenn der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose bereits groß ist oder Metastasen gebildet hat.

Daten aus der Sarkomforschung zeigen, dass Angiosarkome insgesamt nur einen sehr kleinen Anteil der Weichteilsarkome ausmachen, gleichzeitig aber überdurchschnittlich häufig lokal wiederkehren oder in andere Organe absiedeln. Entscheidend für die Überlebenschancen sind Tumorgröße, Tumorsitz, das vollständige Entfernen des Tumors und das Ansprechen auf Operation, Strahlentherapie und ggf. zusätzliche Medikamente.

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Moderne Behandlungsstrategien setzen deshalb konsequent auf eine Kombination aus radikaler Operation, anschließender Bestrahlung und in ausgewählten Fällen medikamentösen Therapien wie Chemotherapie oder zielgerichteten Substanzen. Empfohlen wird die Behandlung in spezialisierten Sarkomzentren, in denen interdisziplinäre Tumorkonferenzen über die bestmögliche Vorgehensweise beraten.

Was Gottschalks Fall über Früherkennung und Versorgung zeigt

Auch wenn jede Erkrankung individuell verläuft, lässt sich aus Gottschalks Fall einiges ablesen. Zum einen zeigt sich, wie schnell gehandelt wurde, nachdem der Tumor entdeckt worden war: Innerhalb kurzer Zeit kam es zu einer großen Operation, gefolgt von einem zweiten Eingriff, um verdächtige Gewebereste zu entfernen. Zum anderen verdeutlicht der Fall, wie eng Chirurgie und Strahlentherapie in einem großen universitären Krebszentrum zusammenarbeiten.

Gleichzeitig wird sichtbar, wie leicht atypische Beschwerden im Alltag verdrängt oder bagatellisiert werden können. In Interviews berichtet seine Frau, sie habe ihn mehrfach gedrängt, ärztliche Hilfe zu suchen, bevor schließlich die Diagnose gestellt wurde. Fachleute weisen im Zusammenhang mit Gottschalks Erkrankung darauf hin, dass ungeklärte Schmerzen, Blut im Urin oder länger anhaltende Beschwerden grundsätzlich ärztlich abgeklärt werden sollten – auch wenn in den meisten Fällen harmlose Ursachen dahinterstehen.

Fazit

Das epitheloide Angiosarkom gehört zu den seltensten, aber auch aggressivsten Krebsformen. Der Tumor entsteht aus Zellen der Blut- und Lymphgefäße, kann theoretisch an vielen Stellen des Körpers auftreten und macht lange Zeit häufig kaum auffällige Beschwerden. Wird er spät entdeckt, ist die Behandlung anspruchsvoll und erfordert eine Kombination aus Operation, Strahlentherapie und gegebenenfalls weiteren onkologischen Verfahren in spezialisierten Zentren.

Thomas Gottschalks Erkrankung macht diese eher abstrakte, medizinische Wirklichkeit greifbar. Ein über Jahrzehnte präsenter Showstar kämpft plötzlich mit einer Tumorart, die die meisten Menschen vorher noch nie gehört haben. Zwei lange Operationen, 33 Bestrahlungen, starke Medikamente und regelmäßige Kontrollen bestimmen seit Monaten seinen Alltag. Zugleich zeigt sein Beispiel, was moderne Medizin leisten kann, wenn ein solcher Tumor frühzeitig konsequent behandelt wird und erfahrene Teams zusammenarbeiten.

Durch die öffentliche Diskussion rückt das Thema „seltene Tumoren“ stärker ins Bewusstsein. Viele Medien weisen ausdrücklich darauf hin, dass ihre Berichte eine ärztliche Beratung nicht ersetzen. Das gilt auch hier: Konkrete Einschätzungen zu Beschwerden, Diagnose oder Therapie können ausschließlich Ärztinnen und Ärzte geben. Der Blick auf Gottschalks persönlichen Weg mit dieser Erkrankung kann jedoch helfen, die Schwere des Themas einzuordnen und die Wichtigkeit von Abklärung, Spezialversorgung und Nachsorge zu verstehen.

Quellen (Auswahl)

Apotheken Umschau: „Epitheloides Angiosarkom – Ursache, Behandlung und Prognose“, Online-Artikel vom 01.12.2025, abgerufen am 04.12.2025.

n-tv: „Thomas Gottschalk kämpft gegen seltene Krebsart: Was ist das epitheloides Angiosarkom?“, Wissensressort, aktualisiert am 04.12.2025.

t-online: „Thomas Gottschalk: Sein Arzt spricht nach Krebsdiagnose von Heilung“, Stars/Unterhaltung, aktualisiert am 02.12.2025.

Münchner Merkur / tz: „Sie behandelt Thomas Gottschalk: Top-Ärztin erklärt, wie die Therapie läuft – ‚Tägliche Termine‘“, Online-Artikel, Stand 04.12.2025.

Hamburger Abendblatt: „Gottschalk hat Krebs: Das ist ein epitheloides Angiosarkom“ sowie „Thomas Gottschalks Krebs: Epitheloides Angiosarkom – ‚Männer häufiger betroffen‘“, Ratgeber & Wissen, 03.12.2025.

Berliner Morgenpost / WAZ-Gruppe: Beiträge zu „Thomas Gottschalks Krebs: Epitheloides Angiosarkom“ und Interviews mit Fachärzten zu Symptomen, Behandlung und Prognose, erschienen am 03.12.2025 und 04.12.2025.

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