Auf der spanischen Ferieninsel Teneriffa ist es erneut zu einem tödl ichen Unglück durch außergewöhnlich hohen Wellengang gekommen. Am Nachmittag des 7. Dezember hat eine Riesenwelle in einem Naturschwimmbecken an der Westküste der Insel mehrere Menschen überrascht und ins offene Meer gerissen. Drei Personen starben, drei weitere wurden verletzt, eine weitere gilt weiterhin als vermisst.
Der Vorfall ereignete sich nur rund einen Monat nach ähnlichen Unglücken, bei denen bereits drei Menschen durch Riesenwellen auf Teneriffa ums Leben kamen und zahlreiche verletzt wurden. Die Sicherheit an der Küste rückt damit erneut in den Vordergrund – ebenso die Frage, wie gefährlich die beliebten Naturpools bei starkem Atlantikschwell tatsächlich sind.
Das Unglück im Naturschwimmbecken bei Los Gigantes
Nach Angaben des Notdienstes der Kanarischen Inseln ereignete sich das Unglück am späten Sonntagnachmittag an einem Naturpool im Ort Isla Cangrejo in der Gemeinde Santiago del Teide, nahe Los Gigantes im Westen Teneriffas. Zu diesem Zeitpunkt hielten sich mehrere Menschen sowohl im Becken als auch auf den umgebenden Felsen auf, als eine besonders hohe Welle in die felsige Bucht einschlug und die Badenden mit sich riss.
Mindestens sieben Personen wurden von der Welle erfasst. Drei von ihnen konnten dem Wasser nicht entkommen und starben. Nach offiziellen Angaben handelt es sich um zwei Männer und eine Frau. Einer der Männer war 35 Jahre alt, die Frau 55 Jahre; zum Alter des dritten Todesopfers machten die Behörden zunächst keine Angaben. Die Identitäten der Verstorbenen wurden vorerst nicht veröffentlicht.
Drei weitere Menschen überlebten verletzt. Besonders dramatisch war der Zustand einer Frau, die auf den Klippen einen Herzstillstand erlitt. Rettungskräfte reanimierten sie noch vor Ort, bevor sie per Hubschrauber in ein Krankenhaus geflogen wurde. Andere Betroffene konnten sich aus eigener Kraft an Land retten, unterstützt von Helfern an der Küste.
Großaufgebot an Rettungskräften und laufende Suche
Unmittelbar nach den ersten Notrufen rückten zahlreiche Einheiten von Seenotrettung, Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei aus. Ein Hubschrauber der Seenotrettung rettete eine Person direkt aus dem Meer und barg zudem einen der Verstorbenen. Mehrere Boote der Küstenwache suchten die Umgebung des Naturpools sowie angrenzende Küstenabschnitte systematisch ab.
Die Suche nach der vermissten Person wurde bis in die Abendstunden fortgesetzt und am Morgen wieder aufgenommen. Starker Wind und die weiterhin hohe Brandung erschwerten die Einsätze erheblich. Hubschrauber kreisten über der Westküste, während Schiffe trotz unruhiger See nach weiteren Spuren suchten. Die Regionalregierung der Kanaren zeigte sich tief betroffen und kündigte eine genaue Auswertung des Einsatzes an.
Parallel prüfen die lokalen Behörden, ob der Zugang zu dem betroffenen Naturpool bei starkem Seegang künftig stärker eingeschränkt oder zeitweise vollständig gesperrt werden soll. Über entsprechende Schritte war bereits nach früheren Vorfällen diskutiert worden, ohne dass flächendeckende Regelungen umgesetzt wurden.
Warnungen vor hohem Wellengang lagen vor
Besonders brisant ist, dass bereits vor dem Wochenende offizielle Hinweise auf gefährliche Bedingungen an der Küste veröffentlicht worden waren. Die Regionalregierung der Kanaren hatte für das gesamte Wochenende eine Warnung vor hohen Wellen ausgegeben. In Mitteilungen wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, den Bereich der Küste zu meiden, insbesondere Felsvorsprünge, Meerespromenaden und Naturpools.
Auch die spanische Wetterbehörde meldete in den vergangenen Tagen starken Atlantikschwell mit Wellenhöhen von bis zu vier Metern rund um die Kanarischen Inseln. Solche Dünungswellen entstehen oft weit entfernt im Nordatlantik und treffen mit großer Wucht auf die vulkanische Steilküste Teneriffas. Selbst wenn der Himmel aufklart und das Wetter an Land vergleichsweise ruhig wirkt, können einzelne Riesenwellen weit über Mauern und Felsbecken hinausschlagen.
Gerade Naturpools wie der von Isla Cangrejo vermitteln vielen Urlaubern zunächst ein Gefühl der Sicherheit. Das Wasser scheint geschützter als am offenen Strand, die Begrenzungsmauern wirken stabil. Fachleute weisen jedoch seit Langem darauf hin, dass eine einzige außergewöhnlich hohe Welle ausreichen kann, um Menschen aus den Becken oder von den Felsen ins offene Meer zu ziehen – vor allem dann, wenn der Atlantik bereits über Stunden unruhig ist.
Wiederholte Unglücke durch Riesenwellen auf Teneriffa
Der aktuelle Vorfall reiht sich in eine Serie ähnlicher Ereignisse ein. Erst am 8. November waren auf Teneriffa mehrere Menschen von der Brandung überrascht und ins Meer gerissen worden. Damals kamen ebenfalls drei Menschen ums Leben, etwa 15 weitere wurden verletzt. Videos in sozialen Netzwerken zeigten, wie ganze Gruppen von Küstenwegen, Naturpools und Felsplateaus fortgerissen wurden.
Seit Jahren warnen Behörden, Rettungsdienste und ortskundige Bewohner davor, die Kraft des Atlantiks zu unterschätzen. Vor allem im Herbst und Winter ziehen immer wieder starke Sturmsysteme über den Nordatlantik und schicken lange Wellenzüge Richtung Kanaren. Treffen diese auf die steilen Lavaklippen, können sie sich an Einengungen und Becken zusätzlich aufschaukeln. Das führt immer wieder zu gefährlichen Situationen an Stränden, Küstenwegen und in den beliebten Meerwasserbecken.
Diskussion um Sicherheit an Naturpools und Küstenwegen
Nach den neuerlichen Todesfällen erhält die Diskussion um mehr Sicherheit an Naturpools neuen Schub. Zur Debatte stehen unter anderem zeitweise Sperrungen bei hohem Seegang, deutlich sichtbare Warnhinweise in mehreren Sprachen, zusätzliche Barrieren an besonders exponierten Felsabschnitten sowie stärkere Kontrollen durch Polizei und Zivilschutz.
Tourismusverbände verweisen zugleich auf die wirtschaftliche Bedeutung der frei zugänglichen Küsten und Naturpools für die Insel. Viele Reisende suchen gerade den unmittelbaren Kontakt zur rauen Atlantikküste und schätzen das Baden in natürlichen Becken mehr als den Aufenthalt in Hotelpools. Kritische Stimmen mahnen hingegen an, dass bei klar erkennbar gefährlichen Bedingungen der freie Zugang zur Küste zur tödlichen Falle werden kann – nicht nur für leichtsinnige Badegäste, sondern auch für Einsatzkräfte, die im Notfall ihr eigenes Leben riskieren.
Fazit
Das Unglück im Naturschwimmbecken von Isla Cangrejo zeigt auf schmerzhafte Weise, wie schnell ein unbeschwerter Tag am Meer in einer Katastrophe enden kann. Drei Menschen verloren ihr Leben, drei weitere wurden verletzt, eine Person wird noch vermisst. Die Westküste Teneriffas steht unter Schock, während Rettungskräfte weiter suchen und Ermittler versuchen, den genauen Ablauf zu rekonstruieren.
Die Häufung der Vorfälle in kurzer Zeit macht deutlich, dass die Gefahr durch Riesenwellen rund um Teneriffa nicht als seltene Ausnahme abgetan werden kann. Hoher Atlantikschwell, steile Felsküste und stark frequentierte Naturpools ergeben eine gefährliche Mischung, wenn Warnungen übersehen oder unterschätzt werden. Gleichzeitig bleibt die Küste ein zentraler Anziehungspunkt für Einheimische und Urlauber, der sich nicht einfach absperren lässt.
Wie die Insel künftig mit dieser Herausforderung umgeht, wird in den kommenden Wochen intensiv diskutiert werden – in Behörden, in der Politik, in der Tourismusbranche und in der Bevölkerung. Klar ist: Je besser Vorhersagen, Warnsysteme, Sperrungen und Aufklärung ineinandergreifen, desto eher lassen sich weitere Tragödien verhindern. Ganz ausschließen lässt sich das Risiko an einer offenen Atlantikküste jedoch kaum.
Quellen
Deutschlandfunk: „Erneut Menschen auf Teneriffa von hohen Wellen ins Meer gerissen und ertrunken“, Meldung vom 8. Dezember 2025.
Berliner Morgenpost: „Riesenwelle vor Teneriffa reißt Touristen ins Meer – drei Tote“, Artikel vom 8. Dezember 2025.
Focus Online: „Drei Tote durch Riesenwelle auf Teneriffa“, Artikel vom 8. Dezember 2025.
BZ Berlin: „3 Tote! Riesenwelle reißt Touristen ins Meer“, Artikel vom 8. Dezember 2025.
Welt / dpa: „Drei Tote durch Riesenwelle auf Teneriffa“, Meldung vom 8. Dezember 2025.


