Der Nationalpark Eifel steht vor einer deutlichen Erweiterung. Geplant ist, das Schutzgebiet um bis zu 750 Hektar Landeswald zu vergrößern. Gleichzeitig konnte der Park im Jahr 2024 mit rund 1,4 Millionen Gästen so viele Besucherinnen und Besucher begrüßen wie nie zuvor. Doch nicht nur die Gästezahlen sind bemerkenswert: Auch seltene Arten wie der Schwarzstorch und die Bechsteinfledermaus haben ihren Lebensraum weiter gefestigt. Der aktuelle Jahresbericht bestätigt die Rolle des Nationalparks als bedeutendes Aushängeschild des Naturschutzes in Nordrhein-Westfalen. Insgesamt leben dort inzwischen 11.425 Arten, darunter 2.620, die auf der Roten Liste stehen.
Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung betonten bei der Vorstellung des Berichts in Schleiden, dass der Nationalpark gleichermaßen Natur, Region und Menschen zugutekommt. Die geplante Erweiterung solle zusätzliche Wildniswälder und Lebensräume für bedrohte Arten schaffen. Zugleich wurde hervorgehoben, dass der Park durch den Nachweis seltener Tiere wie Schwarzstorch, Wildkatze und Bechsteinfledermaus seine besondere Bedeutung für den Artenschutz unterstreiche. Der Erhalt dieser Lebensräume wurde als gemeinsame Verantwortung bezeichnet, die nicht nur der Natur, sondern auch den Menschen in Form von Erholung und Naturerlebnissen zugutekommt.
Auch das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima bezeichnete den Nationalpark als Leuchtturmprojekt des Artenschutzes. Man sehe daran, dass Natur sich positiv entwickle, wenn man ihr Raum lasse, zugleich aber auch Fachwissen und Ausdauer nötig seien, um solche Naturräume zu sichern. Durch enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen sollen Monitoring und Artenschutz weiter gestärkt werden.
Die Leitung der Nationalparkverwaltung zog eine positive Bilanz: mehr Arten, mehr Gäste und bald auch mehr geschützte Flächen. Dieses Ergebnis sei nur durch das Engagement zahlreicher Menschen und Institutionen in der Region möglich gewesen und solle auch in den künftigen Erweiterungsgebieten fortgesetzt werden.
Seltene Arten im Aufwind
Besonders erfreulich ist die Entwicklung der seltenen Tierarten. Zwei Schwarzstorch-Paare zogen im Jahr 2024 jeweils drei Jungvögel groß, zudem wurden weitere Horste entdeckt. Auch bei der Bechsteinfledermaus gibt es neue Nachweise: Erstmals wurde eine Wochenstubenkolonie mit mindestens 34 Tieren festgestellt. Drei alte Bäume im Kermeter dienen den streng geschützten Fledermäusen als Quartier. Frühere Funde säugender Weibchen und Jungtiere hatten bereits auf eine erfolgreiche Reproduktion hingedeutet. Im Sommer 2024 konnten zudem erstmals mit Sendern ausgestattete Weibchen bis zu ihren Baumhöhlen im Kermeter verfolgt werden.
Der Wildkatzenbestand bleibt stabil. Mit 127 nachgewiesenen Tieren ist der Nationalpark Teil der größten zusammenhängenden Wildkatzenpopulation Mitteleuropas. Die Nachweise erfolgten mit der sogenannten Lockstockmethode, bei der Haarproben für DNA-Analysen gesammelt werden.
Wald im Wandel
Neben den Tierarten wurde auch die Waldstruktur genauer untersucht. An über 1.300 Punkten erhoben Forschende Daten zu Bäumen und Verjüngungspflanzen. Die heimischen Rotbuchen haben in den vergangenen zehn Jahren ihr durchschnittliches Volumen deutlich gesteigert. Gleichzeitig hinterließen Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer ihre Spuren an den Fichtenbeständen, was zu einem starken Anstieg des Totholzanteils führte. Insgesamt entwickelt sich der Wald zunehmend in Richtung Laubwald mit der Buche als Leitbaumart. Mit 35 festgestellten Laubbaum- und Straucharten entstehen wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tierarten wie Spechte und Käfer.
Besucherrekord und Umweltbildung
Die Besucherzahlen erreichten mit 1,4 Millionen ein neues Hoch, besonders in den Monaten Mai und August. Auch die Naturerlebnis- und Bildungsangebote erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Seit der Gründung des Nationalparks haben mehr als 640.000 Menschen an den Veranstaltungen teilgenommen, allein 23.000 im Jahr 2024. Unterstützt wird die Arbeit durch zahlreiche Partner wie Kommunen, Vereine, Schulen und Kindertagesstätten. Besonders erfolgreich sind die Nationalpark-Schulen, die seit 15 Jahren ausgezeichnet werden und die Ziele des Parks in ihren Unterricht einbinden.
Geplante Erweiterungen
Für die Erweiterung stehen rund 600 Hektar Waldflächen zur Verfügung, die bereits vom Land erworben wurden. Zusätzlich sollen 150 Hektar Landeswald eingebracht werden. Die Schwerpunkte liegen bei Simmerath, Heimbach und Hürtgenwald-Zerkall. Die genaue Abgrenzung wird derzeit vorbereitet und eng mit der Region abgestimmt. Darüber hinaus soll nördlich des Parks bei Zerkall ein weiteres Wildnisentwicklungsgebiet mit rund 70 Hektar entstehen. Dieses soll langfristig ein weiterer wichtiger Trittstein für die Wildnisentwicklung in der Region werden.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Land NRW/ Veröffentlicht am 28.08.2025


