Im Mittelpunkt steht das Ziel, Baustellen und Bauprozesse digitaler, automatisierter und ressourcenschonender zu gestalten. Gebäude sollen langlebiger entstehen, Wasser- und Energieeinsatz effizienter erfolgen. Seit fünf Jahren sammeln Forschung und Industriepartner auf der Referenzbaustelle der RWTH Aachen auf dem Campus Melaten Erfahrungen mit neuen Materialien und Verfahren. Dort werden innovative Baustoffe wie klimaneutraler Beton in einem kontrollierten Umfeld getestet, bevor sie in realen Projekten Anwendung finden. Zudem wird erprobt, wie Roboter mit Baumaschinen interagieren, damit diese Aufgaben präzise ausführen können.
Das Bauwesen gehört zu den ressourcen- und energieintensivsten Industriezweigen und verursacht rund ein Viertel der globalen Treibhausgasemissionen. Besonders die Herstellung von Beton setzt große Mengen CO₂ frei. Deshalb arbeiten Forschende an alternativen Bindemitteln. Im neuen Exzellenzcluster „CARE – Climate- and Resource-Neutral Civil Engineering“, getragen von der RWTH Aachen und der TU Dresden, werden zudem Methoden entwickelt, um Umwelt- und Gesellschaftsbelastungen zu verringern. Dazu zählt etwa, Brücken im laufenden Verkehr zu verstärken.
Während der Open Campus Week am 26. und 27. August 2025 zeigt das Center Construction Robotics (CCR) der RWTH Aachen gemeinsam mit europäischen Partnern die neuesten Projektfortschritte. Die Veranstaltung mit dem Motto „Open Minds meet Open Campus“ fand auf der digitalen Referenzbaustelle unter der Schirmherrschaft von Wissenschaftsministerin Ina Brandes ihren Auftakt. Sie betonte, dass die Modernisierung der Infrastruktur eine zentrale Zukunftsaufgabe sei. Bauen müsse schneller, ökologischer und digitaler werden. Daher habe die Landesregierung den Cluster CARE bei der Bewerbung unterstützt. Forschung im Reallabor sei ein starkes Beispiel dafür, wie wissenschaftliche Ideen zu tragfähigen Geschäftsmodellen werden und den Wissenschafts- sowie Wirtschaftsstandort Nordrhein-Westfalen stärken könnten.
Die Referenzbaustelle ist die erste mit 5G ausgestattete Baustelle für Forschung und Lehre in Europa und Teil des 5G Industry Campus Europe. Auf einer Fläche von 4.000 Quadratmetern dient sie sowohl als Testgelände wie auch als Demonstrationsplattform. Start-ups sowie kleine und mittelständische Bauunternehmen können dort ihre Entwicklungen erproben. Studierende profitieren von einer modernen Forschungsumgebung und erhalten beste Voraussetzungen für ihren Berufseinstieg in die Bauwirtschaft.
Auch Prof. Dr. Sigrid Brell-Cokcan, Leiterin des Lehrstuhls für Individualisierte Bauproduktion und wissenschaftliche Direktorin des CCR, hob hervor, dass der wissenschaftliche Nachwuchs auf der Referenzbaustelle die Chance habe, zusammen mit Industriepartnern und dem Forschungsnetzwerk der RWTH die Arbeitsplätze der Zukunft im Bauwesen neu zu gestalten.
Die Branche steht gleichzeitig vor großen Herausforderungen: steigende Kosten, Fachkräftemangel, Lieferengpässe und bürokratische Hürden. Davon sind auch Hochschulneubauten und -sanierungen betroffen. Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft hat deshalb die „Neue Masterplanung im Hochschulbau“ gestartet. Durch veränderte Abläufe soll künftig schneller, verbindlicher und kostengünstiger gebaut werden. Dabei arbeiten Ministerium, Bau- und Liegenschaftsbetrieb sowie Hochschulen eng zusammen.
Hintergrund
Im Cluster „Bauen“ der RWTH Aachen werden neue Technologien für die Bauwirtschaft entwickelt und erprobt. Unter seinem Dach vereinen sich verschiedene Forschungseinrichtungen wie das BIM Center Aachen (BCA), das Center Building and Infrastructure Engineering (CBI), das Center for Mobile Machinery und das Center Construction Robotics (CCR). Letzteres besteht seit sieben Jahren, bündelt internationale Industriepartner sowie Institute der RWTH und richtet jährlich die Open Campus Week aus.
Die Initiative CARE ergänzt das Portfolio: Sie wurde im Mai 2025 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) als einer von 15 Exzellenzclustern in Nordrhein-Westfalen ausgewählt und erhält zunächst für sieben Jahre Förderung.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Land NRW/ Veröffentlicht am 26.08.2025


